Wacław Szpakowski (1883-1973)

10. Februar - 25. April 2015

Die Galerie Berinson präsentiert die erste Einzelausstellung von Wacław Szpakowski in Berlin.

Der gelernte Architekt Szpakowski zählt zu den Künstlern der polnischen Avantgarde und wird als Vorläufer des Konstruktivismus und der Op-Art angesehen. Wacław Szpakowski arbeitete jedoch in künstlerischer Abgeschiedenheit und war nicht aktiv am Kunstgeschehen beteiligt. Seine Zeichnungen sind eher aus dem Wissensdrang an naturwissenschaftlichen und kulturellen Phänomenen entstanden und weniger aus einer künstlerischen und ästhetischen Intention. Sein Werk gilt heute als eines der wichtigsten und interessantesten der abstrakt-konstruktiven Kunst – angemessene Anerkennung wurde ihm erst nach seinem Tod zuteil.
Seine Arbeiten wurden das erste Mal 1978 in der Ausstellung „Rhythmische Linien“ im Kunstmuseum in Łodz gezeigt und mehrere Arbeiten waren Teil der Ausstellung „Inventing Abstraction“ im Museum of Modern Art im Jahre 2013. Sein Oeuvre umfasst ca. 120 Zeichnungen.

Die hier gezeigten Werke entstanden in den Jahren 1924-1928. In dieser Zeit war er für das Post- und Telegraphenministerium tätig. In seiner Freizeit schuf er auf Transparentpapier ganze Zeichnungsserien, sowie akustische Interpretationen von Naturphänomenen. Und obwohl die Zeichnungen auf den ersten Blick Irrgärten ähneln, so bestehen sie aus ununterbrochenen, sich nicht überschneidenden Linien. Es sind streng genommen Kurven, die auf mathematischen Gesetzen beruhen. Die Mäandern ähnelnden linearen Aufzeichnungen sollen auf einer von dem Künstler vorbestimmten Art betrachtet werden.  Szpakowski wollte, dass man mit dem Blick der Linie folgt, von ihrer Entstehung durch ihren ganzen – mehr oder weniger komplizierten – Weg bis zu ihrem Ende, welches gleichzeitig einen Neubeginn darstellt.

Wacław Szpakowski starb 1973, im Alter von 90 Jahren in Wrocław.

Biographie

1883
Wacław Karol Szpakowski wird am 9. Oktober in Warschau geboren.

1897

Die Familie zieht nach Riga um. Szpakowski interessiert sich für atmosphärische Erscheinungen. Er stellt einen Katalog der wichtigsten Gewitter, Orkane und Zyklone des 19. Jahrhunderts zusammen.

1900

Szpakowski stellt seine erste Fotografie her und beginnt rhythmische Linien zu zeichnen.
Er interessiert sich für Musik und beginnt Geige zu spielen.

1902
Er beginnt das Studium der Architektur am Polytechnischen Institut Riga.

1902-1911
Szpakowski bereist Russland und hegt besonderes Interesse hinsichtlich der Holzarchitektur und beschäftigt sich weiterhin mit den rhythmischen Linien.

1912-1914
Er zieht nach Warschau und arbeitet dort in einem Architekturbüro.

1922-1931
Szpakowski arbeitet beim Postministerium und wird Vater eines Sohnes und dreier Töchter. Anhand seiner Skizzen komponiert er eine Serie von Zeichnungen, die mit einer mathematischen Genauigkeit mit einem technischen Durchschlagpapier übertragen werden und ihre Klanginterpretationen.

1931-1933
Wird zur Post- und Telegraphendirektion nach Bromberg delegiert.

1934
Da er pensioniert wurde, kehrt er mit seiner Familie zurück nach Warschau und macht gelegentlich architektonische Arbeiten.

1941-1944

Beginnt mit der Arbeit in der Architektenabteilung der Kreisverwaltung. 1943 wird er nach Lwiw versetzt. Ein Jahr später kehrt er nach Otwock zurück und wird von den deutschen Behörden verhaftet und als Geisel festgehalten.

1944-1948
Bedingt durch den Weltkrieg siedelt Szpakowski mit seiner Familie nach Wrocław um. Es gelingt ihm, den größeren Teil der Skizzen und der Durchschläge der Zeichnungen mit den rhythmischen Linien zu retten.

1952
Er beginnt die Systeme von rhythmischen Linien in der Architektur zu verwirklichen, wie zum Beispiel die Deckenmalerei im Kino Przodownik, im Kulturhaus der Eisenbahnfabrik Pa-Fa-Wag in Wrocław.

1958
Im Alter von 75 Jahren beendet er seine berufliche Tätigkeit.

1958-1973

Er ordnet seine Zeichnungen, Skizzen und Notizen und schreibt den Text Rhythmische Linien.

1973

Wacław Szpakowski stirbt am 7. Februar im Alter von 90 Jahren in Wrocław.